New Work – Buzzword trifft Praxis

New Work – Buzzword trifft Praxis

New Work – das war Thema des aktuellen BUCS Breakfast Clubs. Unser Digital Collaboration-Experte Kevin Steinmetz ging der Frage nach, was passiert, wenn dieses Buzzword auf die Praxis trifft. Einen ersten Blick auf diese praktische Dimension erlaubte eine kleine Umfrage, die Kevin am Beginn des Webinars durchführt. „Was verknüpft Ihr eigentlich mit New Work?“, so seine Frage an die Teilnehmer. Die Antworten zeigen, wie vielschichtig dieses Thema aufgenommen wird. Sie reichen von Zusammenarbeit, neuen Prinzipien zur Arbeit, Homeoffice und Flexibilität über kollaboratives Arbeiten und neuen Meetingformen bis hin zu agilem Arbeiten und übergreifenden Teams.
 

Der New-Work-Begriff

Der Begründer von New Work meinte damit allerdings weit mehr, und zwar zukunftsweisende und sinnstiftende Arbeit. Frithjof Bergmann entwarf in seinem Buch „New Work. New Culture“ eine Art Gegenwelt zu einer bedrückenden Situation in den USA der 80er Jahre. In dieser Zeit gab es in Flint (Michigan) Massenentlassungen in der Autoindustrie. Eine Gruppe rund um Bergmann setzte sich damit auseinander, wie eine Gegenbewegung zu diesen massenhaften Entlassungen aussehen könnte. Sein Ansatz: Anstatt viele Menschen zu entlassen, könnte man doch auch einfach Teilzeitstellen schaffen und so mehr Mitarbeiter in Arbeit halten. Ihr Ziel war es dabei vor allem, Menschen dabei zu helfen, eine sinnstiftende Arbeit zu finden.

New Work begann also als eine Art Sozialutopie, denn wie Bergmann in seinem Buch betont: Nicht der Mensch sollte der Arbeit, sondern die Arbeit dem Menschen dienen und ihn dabei unterstützen, sein Potenzial zu entfalten. Demnach ist Arbeit weit mehr, als das auf Lohn basierende Arbeitssystem hergibt und ein Gegenentwurf zu diesem System, so wie wir es heute kennen.

Das geht so weit, dass die Arbeit dann als zu einem Menschen passend gesehen wird, wenn sie seinen Träumen, Wünschen, Hoffnungen und Fähigkeiten entspricht. Da das für jeden Menschen anders aussieht, braucht es Experimentierräume, in denen man seine Talente erfahren und entdecken kann.
 

New Work als Sozialutopie

Das Endergebnis ist Arbeit, die wir auch wirklich wollen, und zwar nicht im Sinne eines Wunschkonzerts, sondern als Tätigkeit, die sich an den Stärken und Fähigkeiten des einzelnen orientiert. Zusammenfassend konzentriert sich Bergmanns Arbeit auf die These, dass jeder Mensch unter der Vielzahl von Arbeitsmöglichkeiten eine Beschäftigung finden kann, die seinen Fähigkeiten und Vorlieben entspricht. In seinem Buch vergleicht er die klassische Arbeit mit einer mild verlaufenden Erkrankung: In diesem Sinn zieht Arbeit im traditionellen Sinn mehr Energie ab, als sie gibt und schwächt den Menschen.

Zu seiner Sozialutopie zählt zudem eine generelle Reduzierung der Arbeitszeit. Auch der Umweltgedanke spielt eine Rolle, ebenso wie die Annahme, dass der Mensch entsprechend dieses Gedankens bessere Entscheidungen für seinen Konsum trifft.

Für Kevin ist New Work ein positiver Ansatz und zugleich ein sehr großer Gedanke. Dieser verspricht ja letztendlich den Wandel des Lohnarbeitssystems, so wie wir es heute kennen. Die aktuelle Frage ist allerdings, wie man nun von so einer großen Idee in die Praxis kommt. Von der ursprünglichen Bergmannschen Definition hat sich der Begriff New Work heute schon längst emanzipiert. Wie schon die eingangs erwähnte Umfrage zeigt, wird er aktuell sehr stark mit Digitalisierung verknüpft.
 

Buzzword trifft Praxis

Werfen wir nun einen Blick darauf, wie man New Work in die Praxis bringen kann. Der Weg dieser umwälzenden Idee beginnt mit sehr kleinen Schritten, wie die folgenden Beispiele zeigen.

Vier Beispiele von New Work aus der Praxis:

1. 4-Tage-Woche
Die Grundidee: Die Mitarbeiter stellen die Prozesse so um, dass sie in vier Arbeitstagen dasselbe wie in fünf schaffen. Die gewonnenen Freiräume nutzen sie für eigene Interessen und soziale Projekte.

Ein Unternehmen mit 240 Angestellten hat dieses Experiment in Jahr 2018 erfolgreich gewagt. Das Ergebnis verdeutlichte, dass die Mitarbeiter das Arbeitspensum von fünf Tagen tatsächlich in vier Tagen schaffen konnten. Laut Kevin zeigt dieses Experiment, das nicht für jedes Unternehmen ein gangbarer Weg ist, was eigentlich möglich ist. Was man erreichen kann, wenn man sich traut, Konventionen infrage zu stellen und zu experimentieren.

2. Open Friday
Open Friday ist ein Tag für Austausch, Weiterentwicklung und neue Ideen. Unter dem Motto „Gemeinsam sind wir stark“ werden dabei die unterschiedlichsten Themen behandelt, Altes hinterfragt und Neues entwickelt.

Dieses Modell wird bei Bucs bereits umgesetzt. Dabei gibt sich das Team alle sechs Monate an einem Freitag Zeit, um Ideen zu diskutieren, Neues zu entwickeln und um Mitarbeiter zu schulen. Der Grundgedanke dabei ist, abseits vom normalen Arbeitsalltag an Themen zu arbeiten, die weniger mit Alltagsaufgaben zu tun haben. Unter anderem wurden bereits besprochen: das Praktizieren von Dankbarkeit, Entwicklung neuer Prozesse oder Zeichnen am Whiteboard. Die Ideen für die einzelnen Sessions kommen dabei immer von den Mitarbeitern selbst. Jeder kann zudem individuell entscheiden, an welcher der geplanten Sessions er teilnehmen möchte. Der Mitarbeiter kann sich auch gegen eine Teilnahme entscheiden, wenn kein passendes Thema für ihn dabei ist und alternativ wie gewohnt seiner Arbeit nachgehen.

3. Collaboration-Tools & agile Methoden
Digitale Tools ermöglichen und befeuern die Vernetzung, Experimente und neue Konzepte zur Führung und Zusammenarbeit. Diese Tools werden oft mit New Work gleichgesetzt. Laut Kevin lässt sich die Frage, ob es sich hier um klassisches New Work handelt, allerdings nur mit einem „Jein“ beantworten: „Für mich sind diese Methoden Mittel zum Zweck, aber New Work geht noch darüber hinaus.“, so seine Einschätzung. Der Einsatz digitaler Tools verändert Führungsstrukturen und Arbeitsweisen nur geringfügig, wenn New Work nicht wirklich gelebt wird. Das gilt auch für Collaboration Tools, die moderne Arbeitsweisen unterstützen und etwa das Arbeiten von überall aus ermöglichen. Informationen lassen sich schneller austauschen und effektiver teilen. Diese Tools ermöglichen zudem Experimente und eröffnen Freiräume.

4. Soziale Aktionen
New-Work-Organisationen sind sich ihrer Verantwortung in der Gesellschaft bewusst. Mitarbeiter erhalten Freiräume, um gemeinsam etwas zurückzugeben. Letztlich kümmern sich New-Work-Organisationen um ihren Beitrag und ihren Fußabdruck in der Gesellschaft, um gemeinsam etwas Gutes zu tun.
 

Die „New Work Charta“ – 5 Prinzipien für eine dynamische und komplexe Welt

New Work ist in seiner Gesamtheit viel mehr als das bereits Beschriebene und ein weit größerer Aktionsprozess, der auf fünf Prinzipien basiert.

1. Freiheit
New Work bedeutet, Experimentierräume zu eröffnen, um neue Wege im Unternehmen zu gehen. Dieses Prinzip schließt die Möglichkeit von Fehlern und damit eine Akzeptanz des Unperfekten ein. Ebenso inkludiert ist eine starke Vernetzung und vertrauensvolle Zusammenarbeit von Mitarbeitern im Unternehmen.

2. Selbstverantwortung
Die Selbstverantwortung soll in New-Work-Organisationen gestärkt werden. Das reicht von einer echten Budget-Autorität auch auf unteren Ebenen bis hin zu Beteiligungsmodellen.

3. Sinn
Mitarbeiter sollen gemäß ihren Stärken und Bedürfnissen eingesetzt werden, was wiederum persönliches Wachstum bedeutet. Kevin möchte Unternehmen hier auch ermutigen, die Wozu-Frage zu stellen. Die Sinnfrage geht zudem einher mit einer Wertschöpfung, die dreiteilig gesehen wird: basierend auf einer finanziellen Ebene, aber auch auf einer wirtschaftlichen und kulturellen Ebene.

4. Entwicklung
New Work heißt, gemeinsam voneinander zu lernen, etwa mithilfe kollektiver Lernstrukturen. Diese sollten Teil der Unternehmenskultur werden, um damit effektiv Wissen zu teilen und im besten Fall zu einer Selbsterneuerung von innen heraus zu gelangen. Damit eng verbunden sind kollektive Entscheidungsstrukturen.

5. Soziale Verantwortung
New-Work-Unternehmen leben soziale Verantwortung durch nachhaltiges Wirtschaften und regionales Engagement. Sie befolgen die Grundsätze des ehrbaren Kaufmanns durch eine faire Steuerpraxis, ein transparentes Agieren bei Fehlern und einen ehrlichen Umgang mit Partnern, Mitarbeitern und Kunden.

Fazit: New Work ist eine überaus faszinierende Vision. Letztlich brauchen Unternehmen, die nach diesen Prinzipien leben wollen, eine Menge Mut für Experimente, engagierte Mitarbeiter und viel Weitblick.
 

Sie interessiert das Thema und Sie wollen mehr erfahren? Unser Collaboration-Experte Kevin Steinmetz schreibt jede Woche eine E-Mail mit Tipps, News und Einschätzungen zu New Work in Verbindung mit Microsoft 365. Das Modern Work Update – ein Newsletter der Sie wirklich weiterbringt. Melden Sie sich jetzt kostenlos an.

Jan-Micha Mülnikel 13.11.2020 Unternehmen