Fachkräfte bei BUCS IT

Digitalisierung als Chance dem Fachkräftemangel zu begegnen

Der Fachkräftemangel wird mehr und mehr zum Geschäftsrisiko. Je komplexer die Anforderungen an den Job, desto größer der Mangel. Bei IT-Fachkräften wiegt der Fachkräftemangel besonders schwer.

Erfahren Sie in diesem Artikel:

  1. Welche Effekte der Fachkräftemangel bereits verursacht hat.
  2. Welche Bedeutung der Fachkräftemangel für die IT hat.
  3. Welche Handlungsfelder sich ergeben, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
  4. Wie Sie die Handlungsfelder und Möglichkeiten für Ihre IT ermitteln können.
  5. Wie Sie Ihre IT trotz des Fachkräftemangels dank richtiger strategischer Entscheidungen nachhaltig aufstellen.

Der Fachkräftemangel – Ein reales Problem

Laut dem Institut der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) können schon heute zwei von drei Arbeitsplätze, die eine entsprechende Qualifikation voraussetzen, schwer oder gar nicht besetzt werden [1]. Das Basler Forschungsinstitut Prognos kommt zu dem Schluss, dass in Deutschland bis zum Jahr 2030 insgesamt drei Millionen Fachkräfte fehlen könnten. Der Fachkräftemangel entwickelt sich dabei zu einem großen Risikofaktor für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen am Markt. Von 2400 Unternehmen stufen 61 Prozent der befragten Unternehmen die fehlende Verfügbarkeit von Fachkräften als ein hohes Risiko für ihre Geschäftsabläufe ein [2]. Kleine und mittelständische Unternehmen werden besonders vom Fachkräftemangel getroffen. Im Jahr 2011 waren zwischen 30 und 40 Prozent der Stellen in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Engpassberufen ausgeschrieben. 2016/2017 waren es bereits 66 Prozent aller offenen Stellen [3]. Im Mittelstandsbarometer von Ernst & Young heißt es, dass gut jeder zweite Mittelständler Aufträge nicht annehmen kann, weil ihm geeignete Fachkräfte fehlen. Der dadurch entstandene Schaden für den Mittelstand beläuft sich auf gut 49 Milliarden Euro [4]

Ein Bereich, der vom Fachkräftemangel besonders betroffen ist, ist der MINT- Bereich (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). Gerade die Besetzung von IT-Stellen dauert überdurchschnittlich lange. Dauerte es 2017 in Deutschland durchschnittlich 102 Tage, um eine offene Stelle zu besetzen [5], waren es im IT-Bereich 143 Tage [6]. In einem Interview mit dem Wallstreet Journal unterstrich Uwe Burkert, Chefvolkswirt bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), dass das Problem des Fachkräftemangels in der IT weiterwachsen könnte:

"Gerade in den wichtigsten Zukunftsfeldern Software-Entwicklung, IT und Digitalisierung wurde viel zu wenig ausgebildet und weitergebildet. Daher bleibt der Fachkräftemangel ein zentrales Problem, insbesondere wenn man es für die nächsten fünf Jahre betrachtet" [7]

Durch die Digitalisierung entstehen auf der der einen Seite immer mehr neue Verantwortungsbereiche, die hochkomplexes Fachwissen voraussetzen. Auf der anderen Seite eröffnen sich durch die Digitalisierung im IT-Bereich gleichzeitig auch Möglichkeiten, dank derer Sie dem Fachkräftemangel nachhaltig entgegenwirken können.  

Die Digitalisierung als Chance dem Fachkräftemangel zu begegnen

Neue diversifizierte Tätigkeitsfelder erfordern hochspezialisierte Fachkräfte. Vor allem in der IT wachsen bestehende- und entstehen neue Verantwortungsbereiche. Je weiter die Digitalisierung voranschreitet, desto breitere und tiefere Kompetenzen benötigen Sie in den verschiedenen IT-Bereichen. Somit wird es zunehmend schwieriger, Fachkräfte in ausreichender Quantität und angemessener Qualität im gesamten Spektrum der IT zu finden. Aus dem Fachkräftemangel ergeben sich klassische Handlungsfelder im Personalwesen: 

  • Die Institutionalisierung von Prozessen und Quellen zur fortwährenden Beschaffung qualifizierter IT-Fachkräfte,
  • die Entwicklung innovativer Ausbildungskonzepte, um langfristig die benötigten IT-Fachkräfte auszubilden,
  • das Schaffen von funktionalen Weiterbildungsangeboten, um den aktuellen Entwicklungen am Markt gerecht zu werden.

Zwar birgt die Digitalisierung auf der einen Seite die Gefahr in sich, den Fachkräftemangel weiter zu verschärfen. Auf der anderen Seite tuen sich durch die Digitalisierung auch neue Möglichkeiten auf, dem Fachkräftemangel zu begegnen und die Digitalisierung zum eigenen Vorteil zu nutzen. Mit der Digitalisierung steigt die Durchdringung Ihres Unternehmens mit Tätigkeiten und Prozessen, die Schnittstellen zur IT aufweisen. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit: dass es Synergien gibt, die Sie nutzen können und dass es Aufgaben gibt, die sich automatisieren lassen. Darüber hinaus steigert sich auch der Spezialisierungsgrad von Lösungen und Dienstleistungen am Markt, auf die sie zum Lösen verschiedener Probleme zurückgreifen können. Es ergeben sich zwei Handlungsfelder im IT-Bereich, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken:  

  • Der Auf- und Ausbau der Kompetenzen in strategisch wichtigen IT-Themen und das Zurückgreifen auf Spezialisten zur Durchführung operativer Tätigkeiten; 
  • Sowie die Optimierung und Automatisierung häufig wiederkehrender (Teil-)Prozesse und Tätigkeiten in der IT, um mehr Zeit für strategisch wichtige Themen zu gewinnen

Beide Handlungsfelder tragen das Potential in sich, den quantitativen Bedarf an Fachkräften zu verringern. Die Auseinandersetzung mit den beiden Handlungsfeldern liefert Erkenntnisse darüber, in welchen Bereichen Sie tiefe IT- Kenntnisse und Kompetenzen aufbauen sollten, in welchen Bereichen Sie IT- Kenntnisse und Kompetenzen in der Breite erhalten sollten und in welchen Bereichen es eine Alternative ist, Kompetenzen und Kenntnisse in Breite und Tiefe abzubauen, um den Bedarf an Fachkräften nachhaltig zu mindern, ohne dabei Ihre Wettbewerbsposition zu schwächen.

Welche Ihrer IT-Tätigkeiten sind wirklich wichtig und fallen oft an?

Um die Aufgaben und Prozesse zu klassifizieren, bietet es sich an, die folgenden zwei Kriterien zu verwenden: Die Wichtigkeit der anfallenden Tätigkeiten und die Häufigkeit, mit der die Tätigkeiten anfallen. Aus den möglichen Kombinationsmöglichkeiten ergeben sich vier Felder, anhand derer Sie einschätzen können, ob sie in einem Tätigkeitsfeld eher Know-How aufbauen, erhalten oder abbauen sollten, und ob ein Aufgabenbereich für ein Outsourcing oder eine Automatisierung in Frage kommt. Know-How und Wissen aufbauen sollten Sie in Aufgabenbereichen, die kontinuierlich anfallen und einen großen Einfluss auf Ihren Unternehmenserfolg haben – das sind vor allem Bereiche, die Ihr Kerngeschäft direkt betreffen und für die Sicherheit Ihres Unternehmens sorgen. Bauen Sie sich in diesen Tätigkeiten und Prozessen Know-How und Erfahrung auf. Stärken Sie die bereits vorhandenen Kompetenzen und erheben Sie gleichzeitig, welche Kompetenzen Sie in Zukunft benötigen werden.

Fachkräftemangel 1

Worauf es bei der Kategorisierung ankommt.

Arbeiten Sie in Bezug auf IT-Prozesse, die Ihr Kerngeschäft betreffen mit Beratungen oder spezialisierten Dienstleistern zusammen, so sorgen Sie dafür, dass die notwendigen Kompetenzen bei sich im Unternehmen halten, um sich nicht in eine Abhängigkeit von externen Unternehmen zu begeben. Fordern Sie vielmehr den Transfer von Know-How vom Partnerunternehmen zu Ihnen aktiv ein und verankern Sie diesen Wissenstransfer im Idealfall vertraglich. Die Dimension, die Sie im Kerngeschäft unbedingt wahren müssen, ist Ihre Unabhängigkeit. Und das ist auch der große Unterschied zu den Tätigkeiten, die zwar im Mittel wichtig sind, aber seltener anfallen.

Denn Tätigkeiten die wichtig für Ihr Unternehmen sind, aber nicht so oft anfallen, machen einen tiefen Kompetenzaufbau mitunter weniger lohnenswert. Ein Beispiel für eine solche Tätigkeit kann die Einführung einer neuen Telefonanlage in Ihrem Unternehmen sein. Zwar beeinflusst die Telefonanlage alle Geschäftsbereiche in Ihrem Unternehmen, ein Austausch der Telefonanlage findet aber idealerweise in sehr langen Zyklen statt und die Einführung als Solches erfordert spezifisches IT-Wissen, dass Sie im Unternehmen nicht zwingend aufbauen müssen.

Gleichwohl müssen Sie zu jederzeit entscheidungsfähig sein, Vor- und Nachteile abschätzen, Abhängigkeiten kennen und einen möglichen Partner bei der Planung und Umsetzung steuern können. Hier ist es nicht so entscheidend, dass Sie tiefe Kompetenzen im Unternehmen haben, sondern dass Sie in der Lage sind, gute strategische und langfristige Entscheidungen zu treffen. Weniger wichtig ist der Punkt, wer diese Projekte umsetzt. In der folgenden Darstellung ist exemplarisch aufgeführt, wie eine Aufteilung der IT-Tätigkeiten aussehen kann und wie Sie eine Bewertung vornehmen können.

So könnte eine beispielhafte Einordnung verschiedener IT-Tätigkeiten aussehen

 

Fachkräftemangel

Bei wichtigen Tätigkeiten sollten Sie mindestens die Entscheidungsfähigkeit und im Kerngeschäft auch die Unabhängigkeit wahren. Bei weniger wichtigen Aufgaben ist es hingegen aus Ihrer Sicht wünschenswert, den eigenen Aufwand gering zu halten und diese Tätigkeiten stattdessen automatisieren zu lassen bzw. gänzlich zu outsourcen.

 

Quellen:

[1] https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Dossier/fachkraeftesicherung.html

[2] https://www.wallstreet-online.de/nachricht/11686222-exklusiv-fachkraeftemangel-platz-hochrisiko-liste-deutscher-unternehmer

[3] https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Dossier/fachkraeftesicherung.html

[4] Quelle: EY Mittelstandsbarometer

[5] https://www.qz-online.de/karriere/karriere-news/artikel/arbeitsmarkt-it-macht-das-rennen-6594781.html

[6] https://www.wiwo.de/erfolg/management/fachkraeftemangel-der-fachkraeftemangel-ist-ein-mythos/20504844.html

[7] https://www.wallstreet-online.de/nachricht/11686222-exklusiv-fachkraeftemangel-platz-hochrisiko-liste-deutscher-unternehmer

Jan-Micha Mülnikel 30.08.2019 Unternehmen