Shopware Community Day 2018

Shopware 5.5 – Einschätzung zur Beta-Version

Pünktlich zum Community Day 2018 hat Shopware die Beta-Version von Shopware 5.5 zum Download bereitgestellt. Neben der Einführung von Business Intelligence (BI) und kleineren Korrekturen, bringt das Update vor allem wichtige Neuerungen für große Datenmengen im Backend und internationale Shops. Obwohl Shopware bereits intensiv an Version 6 arbeitet, wurde der Meilenstein 5.5 auf den Weg gebracht und bringt substantielle Verbesserungen. Wir haben die neue Version vor allem technisch einmal etwas genauer unter die Lupe genommen.

Optimierter Umgang mit großen Datenmengen

Seit Shopware 5.1 bringt Shopware in allen Lizenz-Modellen eine kostenlose Elasticsearch-Anbindung mit sich, welche die Performance bei der Suche und Kategorie-Darstellung für Shops mit hohen Artikelzahlen auf ein neues Niveau gebracht hat. Bisher kamen die Vorteile der Elasticsearch-Anbindung allerdings nur dem Shopware Frontend zu Gute. Im Backend griff z.B. die Artikel-Übersicht nach wie vor ausschließlich auf die MySQL-Datenbank zu. Die Darstellung der Artikel-Übersicht oder die Suche nach einem speziellen Artikel konnte so schnell zu Wartezeiten von mehr als einer Minute führen, wenn der Shop mit einer sechs- oder siebenstelligen Artikelanzahl betrieben wurde. Die gleichen Nachteile ergaben sich für die Kunden-Übersicht, wenn die Kundenzahl zu groß wurde.

Mit der neuen Elasticsearch-Anbindung – jetzt für das Shopware Backend – möchte Shopware genau an dieser Stelle eine Lösung bieten. Zusätzlich zu der Konfiguration von Elasticsearch für das Frontend, lässt sich die Suchmaschine für das Backend mit einem einfachen Parameter in der config.php aktivieren („es => backend => enabled“). Da für das Backend eigene Elasticsearch-Indexe angelegt werden, die von den Indexen für das Frontend unabhängig sind, können bzw. müssen diese über eigene Befehle erstellt und aktualisiert werden. Nach der Erstellung der Indexe (mit dem Befehl „bin/console sw:es:backend:index:populate“) ist die Umstellung des Backends auf Elasticsearch schon abgeschlossen. Beim Aufbau des Indexes wird bereits angezeigt, dass Artikel, Kunden und Bestellungen verarbeitet werden. Damit deckt Shopware die größten Schwachstellen ab.

SCD 2018

Performance Boost mit viel Potenzial

Für die Perfomance ist eine Umstellung des Backends auf Elastasticsearch ein echter Gewinn, wenn es um große Datenmengen geht. Es gibt jedoch durchaus auch Nachteile, die wir nicht unerwähnt lassen wollen. Wer Elasticsearch schon im Frontend verwendet, kennt das Prinzip, dass die Indexe aktualisiert werden müssen, damit z.B. ein neu angelegter Artikel im Frontend erscheint. Im Backend ist das nun leider ebenso der Fall. Wird ein neuer Artikel angelegt, wird dieser in der Artikel-Übersicht erst einmal nicht angezeigt, bis der Elasticsearch-Index aktualisiert wurde. Im Idealfall sollte die Elasticsearch-Aktualisierung automatisiert werden. Das wäre aktuell z.B. mit einem Cronjob möglich. Aber auch dann wird man zumindest meist ein paar Minuten warten müssen, bis der Artikel in der Übersicht erscheint, um von dort aus für die weitere Bearbeitung aufgerufen werden zu können. Gleiches gilt für Kunden und Bestellungen. Bevor diese in den entsprechenden Übersichten angezeigt werden, muss eine Aktualisierung des Elasticsearch-Indexes gelaufen sein. Wenn man sich diesem Fakt bewusst ist, und als das kleinere Übel empfindet, macht die Umstellung des Shopware Backends auf die Elasticsearch aber durchaus Sinn.

Vereinfachte Internationalisierung

Bisher war es bei mehrsprachigen Onlineshops immer notwendig pro Sprache einen eigenen sogenannten Kategoriebaum mit jeweils eigenen Shop-Seiten anzulegen, da dafür keine Übersetzungen gepflegt werden konnten. Dementsprechend multiplizerte sich auch die Artikel-Kategorie-Zuordnung. Mit Version 5.5 hat Shopware das Ganze nun enorm vereinfacht und fördert damit die Internationalisierung der Shops. Ein Kategoriebaum kann jetzt übersetzt und für alle Shops in anderer Sprache verwendet werden. Dadurch entfallen in Zukunft doppelte Einträge in der Datenbank und der Aufwand wird deutlich reduziert. Für einzelne Shop-Seiten war es bisher ebenfalls notwendig für jede Sprache eigene Seiten mit einer eigenen Navigationsstruktur anzulegen. Diese Problem gehört mit Version 5.5 zum Glück ebenfalls der Vergangenheit an, da die Seiten nun übersetzt werden können.

Das Einzige was jetzt noch fehlt, um mehrsprachige Shops zu perfektionieren, ist die Möglichkeit Formulare (z.B. Kontaktformular) übersetzbar zu machen. Diese müssen aktuell noch pro Sprache individuell angelegt werden. Wir gehen allerdings davon aus, dass hier in zukünftigen Versionen nachgeliefert wird. Insgesamt ist die Erweiterung und Vereinfachung der Mehrsprachigkeit also sehr erfreulich und ein echter Gewinn für mehrsprachige Shops.

Optimierte Shops durch Business Intelligence (BI)

Ein weiteres neues Feature, das Shopware mit der Version 5.5 ausgerollt hat, ist das neue Business Intelligence Modul. Darauf wird über das Shopware Backend zugegriffen. Shopware BI wertet den eigen Shop aus und gibt Vergleichswerte zu anderen Shops in der selben Branche an. So können beispielsweise die eigenen Umsatzzahlen mit dem Durchschnitt der Wettbewerber verglichen werden. Ziel ist es aus einer Vielzahl an Daten, die jedem Händler zur Verfügung stehen, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Nutzer bekommen also wichtige Anhaltspunkte, um den eigenen Shop zu optimieren.

Um das neue Feature nutzen zu können, muss man der Übertragung der anonymisierten Daten des eigenen Shops an Shopware zustimmen. Wer dies nicht möchte kann auf die Analysedaten von Shopware BI nicht zugreifen. Eine Beendigung der Teilnahme an dem Dienst ist auch nach erfolgter Anmeldung jederzeit möglich.

Fazit

Insgesamt fallen die vorgestellten Features für Shopware 5.5 nicht so umfassend aus wie in den vergangenen Jahren. Das liegt vor allem an der intensiven Entwicklung an Shopware 6, welches auch schon in der ersten Vorschau sehr vielversprechend aussieht. Dennoch ist auch Shopware 5.5 für mehrsprachige Shops oder Shops mit großen Datenmengen ein kleiner Meilenstein, der Shopware und alle, die damit arbeiten, ein gutes Stück nach vorne bringt.

 

Über den Autor

Benedikt Meyer ist seit 2015 Entwickler bei BUCS IT und von Shopware zertifizierter Advanced Developer. Für unsere Kunden arbeitet er an komplexen E-Commerce Lösungen.


Haben Sie noch tiefer gehende Fragen zu Shopware? Nutzen Sie unser Angebot und sichern sich einen Expertenaustausch. Wir bieten Ihnen einen Spezialisten, der sich 30 Minuten Zeit für Sie nimmt und Ihnen Rede und Antwort steht. Unverbindlich und kostenlos.

Jan-Micha Mülnikel 28.05.2018 B2B-Onlineshops